Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) arbeitet an unbewussten Konflikten, die sich in der aktuellen Symptomatik als Kompromissbildung niederschlagen. Über die Analyse von Übertragung und Gegenübertragung im hierarchisch strukturierten Setting werden Abwehrmechanismen wie Rationalisierung, Projektion, Wendung gegen das Selbst oder Affektisolierung erkennbar und durcharbeitbar.
Strukturelle Einschränkungen im Sinne der OPD-2 – etwa in Selbstwahrnehmung, Objektbezug, Bindung oder Impulssteuerung – werden stützend und konfrontativ bearbeitet. Die Behandlung erfolgt meist mit einer Sitzung wöchentlich über 50 bis 100 Stunden, bei entsprechender Indikation als Langzeittherapie.
Ziel ist die Erweiterung der Ich-Funktionen, die Integration abgespaltener Affekte und die Ablösung rigider Wiederholungszwänge in aktuellen Beziehungen.
Kognitive Verhaltenstherapie
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) setzt am Zusammenhang von Situation, Kognition, Emotion, körperlicher Reaktion und Verhalten an, klassisch im SORKC-Modell. Dysfunktionale Grundannahmen und automatische Gedanken nach Beck werden identifiziert, im sokratischen Dialog geprüft und durch kognitive Umstrukturierung verändert.
Verhaltensanalytisch werden Sicherheits- und Vermeidungsverhalten, Verstärkerverluste und Fertigkeitsdefizite herausgearbeitet. Interventionen umfassen Exposition in sensu und in vivo, Verhaltensaktivierung, Stimuluskontrolle, Problemlösetraining und Rückfallprophylaxe.
Wo Schemata nach Young im Vordergrund stehen, ergänzen wir imaginationsbasierte Umstrukturierung und Stuhldialoge. Die Therapie ist transparent, zielorientiert und in der Regel zeitlich begrenzt.
Angst- und Panikstörungen
Behandelt werden Panikstörung mit und ohne Agoraphobie, generalisierte Angststörung, soziale Phobie, spezifische Phobien sowie hypochondrische Krankheitsangst. Diagnostisch klären wir interozeptive Konditionierung, katastrophisierende Fehlinterpretationen vegetativer Symptome und sekundäre Vermeidung.
Kernelemente sind Psychoedukation zum Angstkreislauf, interozeptive Exposition, graduierte Konfrontation und der Abbau von Sicherheitsverhalten. Bei GAD arbeiten wir an Intoleranz gegenüber Unsicherheit, Sorgenketten und metakognitiver Kontrolle.
Komorbide depressive Episoden, substanzbezogene Selbstmedikation und somatoforme Überlagerungen werden mitbehandelt. Ziel ist Habituation, Neubewertung körperlicher Signale und Wiederherstellung der Handlungsfreiheit im Alltag in Stuttgart und Umgebung.
Depressive Erkrankungen
Wir behandeln unipolare depressive Episoden, rezidivierende Depressionen, Dysthymie bzw. persistierende depressive Störung sowie gemischt ängstlich-depressive Syndrome. Der psychopathologische Befund erfasst Anhedonie, Antriebshemmung, Grübelzwang, Insomnie, Schuld- und Wertlosigkeitsideen sowie Suizidalität nach dem Stadienmodell.
Verhaltenstherapeutisch stehen Aktivitätsaufbau nach dem Prinzip der verhaltensaktiven Verstärkung, kognitive Umstrukturierung depressogener Triaden und Schlafhygiene im Vordergrund. Tiefenpsychologisch werden introjezierte Aggression, Verlustthematik und Selbstwertkonflikte in der Übertragung bearbeitet.
Bei indizierter Komedikation stimmen wir uns mit haus- und fachärztlicher Psychopharmakotherapie ab. Rückfallprophylaxe und Frühwarnzeichenerkennung gehören fest zum Abschluss jeder Depressionsbehandlung.
Traumafokussierte Psychotherapie und EMDR
Indiziert bei PTBS, komplexer Traumafolgestörung, Anpassungsstörung nach belastenden Ereignissen sowie dissoziativen Teilsymptomen. Nach Stabilisierung (Affekttoleranz, Grounding, Distanzierungstechniken) erfolgt die konfrontative Bearbeitung traumatischer Gedächtnisinhalte.
EMDR nutzt bilaterale Stimulation zur Rekonsolidierung heiß gespeicherter Erinnerungen; ergänzend kommen imaginative Exposition, Narrative Exposure und Arbeit an Täterintrojekten zum Einsatz. Dissoziative Phänomene (Derealisation, Depersonalisation, Amnesieinseln) werden vor der Konfrontation sicherheitsbezogen eingeschätzt.
Hyperarousal, Intrusionen, Vermeidung und negative Selbstüberzeugungen werden leitlinienkonform reduziert. Die Behandlung berücksichtigt Bindungstraumatisierungen und aktuelle Trigger im beruflichen wie familiären Umfeld.
Burn-out und Anpassungsstörungen
Erschöpfungssyndrome mit emotionaler Distanzierung, Zynismus und verminderter Leistungsfähigkeit werden differenzialdiagnostisch gegen Major Depression, neurasthenische Bilder und somatoforme Müdigkeit abgegrenzt. Häufig liegen überlange Gratifikationskrisen, Perfektionismus und ein rigides Über-Ich mit Selbstüberforderung zugrunde.
Therapeutisch kombinieren wir Belastungsdosierung, Werteklärung, Grenzen setzen in beruflichen Rollen und die Bearbeitung unbewusster Anerkennungskonflikte. Kognitiv gehen wir gegen Muss-Ansprüche und katastrophierende Bewertungen von Pausen vor.
Bei Anpassungsstörungen nach Kündigung, Trennung oder Erkrankung fokussieren wir Trauerarbeit, Problemlösen und Wiederherstellung der Selbstwirksamkeit. Kooperation mit Betriebsärzten und Rehabilitationsmedizin ist bei längerer Arbeitsunfähigkeit möglich.
Psychosomatische und somatoforme Störungen
Funktionelle Beschwerden wie Reizdarmsyndrom, nicht kardialer Thoraxschmerz, Spannungskopfschmerz, Fibromyalgiespektrum und vegetative Dysregulation werden nach Ausschluss oder Mitbehandlung somatischer Ursachen psychotherapeutisch angegangen. Zentral ist die Entkopplung von Körperwahrnehmung, Angst und Schonverhalten.
Wir nutzen interozeptive Aufmerksamkeitsschulung, kognitive Neubewertung katastrophisierender Krankheitsskripts und die Bearbeitung von Alexithymie. Tiefenpsychologisch kommen Konversion, Somatisierung als Affektäquivalent und frühe Bindungserfahrungen mit Körpersignalen in den Blick.
Ziel ist eine verbesserte Mentalisierung körperlicher Zustände, Reduktion von Inanspruchnahme und Wiederaufnahme alltagsnaher Aktivität ohne permanentes Sicherheitsuchen beim Arzt.
Paartherapie und Beziehungsstörungen
Paarsitzungen richten sich an Paare mit eskalierender Kritik-Verteidigung-Dynamik, Rückzug, Vertrauensbrüchen, sexueller Distanz oder wiederkehrenden Machtkämpfen. Diagnostisch erfassen wir Bindungsstile, projektive Identifizierung und kollusive Arrangements im Sinne Jürg Willis und der objektbeziehungstheoretischen Paardiagnostik.
Interventionen umfassen Kommunikation nach dem Speaker-Listener-Prinzip, Emotionsfokussierte Arbeit an Verletztheitszyklen sowie die Klärung unbewusster Partnerwahl. Individuelle psychische Erkrankungen eines Partners werden nicht gegen die Paarebene ausgespielt, sondern verschränkt betrachtet.
Die Paartherapie ist in der Regel Selbstzahlerleistung; bei klarer indizierter Störung eines Partners kann eine parallel laufende Richtlinienpsychotherapie sinnvoll sein.
Persönlichkeitsakzentuierungen und Borderline-Spektrum
Behandelt werden emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ, ängstlich-vermeidende, zwanghafte und narzisstische Akzentuierungen sowie gemischte Persönlichkeitsstörungen. Leitend sind Strukturniveau nach OPD, Mentalisierungsfähigkeit und Identitätsdiffusion.
Im Vordergrund stehen Skills zur Stresstoleranz und Emotionsregulation, Klärung von Spaltung und Idealisierung/Entwertung in der therapeutischen Beziehung sowie Impulskontrolle bei selbstverletzendem Verhalten. Suizidalität und parasuizidale Gesten werden vertraglich und krisenplansicher begleitet.
Wo indiziert, greifen wir auf elemente der übertragungsfokussierten Therapie und der mentalisierungsbasierten Therapie zurück. Ziel ist ein stabileres Selbstgefühl und tragfähigere Objektbeziehungen statt bloßer Symptomunterdrückung.
Zwangsstörungen
Wasch-, Kontroll-, Ordnungs- und Wiederholungszwänge sowie Zwangsgedanken mit magischem Denken werden nach ICD als Zwangsstörung diagnostiziert und von anankastischer Persönlichkeit sowie ruminerender Depression abgegrenzt. Die funktionale Analyse klärt Auslöser, Befürchtung, Ritual und kurzfristige Angstreduktion.
Methode der Wahl ist Exposition mit Reaktionsverhinderung (EPR), ergänzt durch kognitive Arbeit an Inflated Responsibility, Thought-Action-Fusion und Unsicherheitsintoleranz. Metakognitiv wird der Stellenwert des Gedankenunterdrückens relativiert.
Angehörige werden angeleitet, Akkommodation (Mitmachen von Ritualen) schrittweise zu reduzieren. Bei schwerer Ausprägung stimmen wir uns mit fachärztlicher SSRI-Behandlung ab.
Essstörungen
Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und Binge-Eating-Störung erfordern eine störungsorientierte Psychotherapie mit Gewichtsstabilisierung, Normalisierung des Essverhaltens und Bearbeitung körperdysmorpher Kognitionen. Wir erheben BMI-Verlauf, Amenorrhoe, kompensatorisches Verhalten und medizinische Komplikationen in Absprache mit internistischer Mitbehandlung.
Kognitiv-verhaltenstherapeutisch kommen Protokollierung, Stimuluskontrolle, Exposition gegenüber angstbesetzten Nahrungsmitteln und Spiegelarbeit zum Einsatz. Psychodynamisch rücken Kontrolle, Autonomiekonflikte und die Funktion des restriktiven Essens in der Familie in den Fokus.
Bei Untergewicht unter kritischen Schwellen oder somatischer Instabilität erfolgt die Indikation zur stationären oder tagesklinischen Behandlung, die wir vorbereiten und nachbetreuen.
Diagnostik, Erstgespräch und Therapieplanung
Jede Behandlung beginnt mit der psychotherapeutischen Sprechstunde und probatorischen Sitzungen. Erhoben werden Anamnese, biografische Entwicklung, psychischer Befund nach AMDP-orientierten Kategorien, Suizidalität, Komorbidität und soziale Leistungsfähigkeit.
Ergänzend setzen wir, wo sinnvoll, standardisierte Verfahren ein (etwa BDI-II, BAI, SCL-90-R, SKID-orientierte Exploration, OPD-Konflikt- und Strukturscreening). Daraus entsteht eine differenzialdiagnostische Einschätzung nach ICD und eine begründete Indikation für TP oder VT.
Wir klären Setting, Frequenz, Antragstellung im Gutachterverfahren und die Grenzen ambulanter Behandlung. Videosprechstunden sind nach etabliertem Arbeitsbündnis und bei geeigneter Störung ergänzend möglich, ersetzen aber nicht die diagnostische Präsenzphase.
Hinweis: Psychotherapie ist Krankenbehandlung. Sie ersetzt keine notfallmedizinische Versorgung. Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung wenden Sie sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117, die psychiatrische Notaufnahme oder die Notrufnummer 112.